Erhöhte Sterblichkeit durch Depressionen?

Sind Depressionen für die Zunahme von Sterblichkeit verantwortlich?Forschungsergebnisse von über drei Jahrzehnten legen die Vermutung nahe, dass Depressionen generell für die Zunahme der Sterblichkeit verantwortlich seien. Eine neue Arbeit auf diesem Gebiet erweckt nun Zweifel an einer solchen geschätzten Verbindung, da sie keine Indizien für einen direkten Zusammenhang zwischen Depression und der Gesamt-Sterblichkeit fand.

So überprüften die Wissenschaftler Eiko Fried vom Bereich Psychologie der Universität Amsterdam sowie Beyon Miloyan von der amerikanischen Johns Hopkins University in Baltimore die Ergebnisse von insgesamt 293 Studien mit 400.000 Todesfällen und über 3,6 Millionen Beteiligten.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Ganze 95 Prozent der Studien, so stellten die Forscher fest, verfügten über eine unzureichende Qualität. Sowohl mit qualitativen als auch mit quantitativen Ansätzen verzeichneten sie eine ausgeprägte Basis zur Publikation. Diese schlug sich beispielsweise in einer statistisch verzerrten Darstellung der Datenlage in wissenschaftlichen Journalen nieder, die die Fachwelt infolge einer favorisierten Veröffentlichung von Untersuchungen mit signifikanten, “positiven” Ergebnissen beeindrucken sollten. So enthielten gerade die Studien, die die stärksten Zusammenhänge zwischen Mortalität und Depression beweisen sollten, lediglich kleine Stichproben, kurze Nachlaufzeiten sowie eine geringe Zahl von Todesfällen.

Zusätzliche Erkrankungen und weitere Erkenntnisse der Wissenschaftler

Erscheinungen wie zusätzliche Leiden werden in der Psychologie mit dem Begriff “Komorbidität” innerhalb einer definierten Grunderkrankung bezeichnet. Sie können dabei als kausale Folgeerkrankung gemeinsam mit der Grunderkrankung, (hier den Depressionen), oder unabhängig von ihnen auftreten.

Die Forscher entdeckten weiterhin, dass lediglich 5 Prozent der insgesamt 293 Untersuchungen die statistischen Konzepte auf andere Störungen der Psyche wie Drogensucht oder Angststörungen, insgesamt Erscheinungen, die bei depressiven Patienten äußerst oft vorkommen, angepasst hatten, so dass bei diesen Erhebungen die Komorbiditäts-Quote 50 Prozent überstiegen.

Ein zusätzliches Ergebnis bestand in der Erkenntnis, dass zwei Drittel der Studien auf der Basis medizinischer Krankheiten im Vorfeld ausgewählter Teilnehmer entstanden. Dabei gilt es als erwiesen, dass viele Symptome, die bei einer Depression auftreten, wie beispielsweise Erschöpfung und Schlaflosigkeit, ebenso bei verschiedenen anderen körperlichen Krankheiten sichtbar werden können, oder als Nebenwirkungen von Medikamenten zur Therapie bereits bestehender Leiden zutage treten.

Diese Erkenntnisse könnten nach Ansicht der Forscher den vermeintlichen Schluss nahe legen, dass die Ursache des Todes die Depression ist, obwohl in diversen Fällen sicherlich der Tod eher auf bereits bestehende Krankheiten zurückzuführen sei und die erhöhte Sterblichkeit damit zusammenhängt.

293 Studien, die nicht den Anforderungen qualitativ hochwertiger Analysen entsprechen

Insgesamt konnten die Wissenschaftler aufgrund ihrer Auswertungen keinen überzeugenden Beleg dafür finden, dass Depressionen in direktem Zusammenhang mit der Gesamtmortalität stehen. Vielmehr ließen die Ergebnisse erkennen, dass eher andere Faktoren, wie zum Beispiel gesundheitliche Verhaltensweisen sowie Komorbidität für die höhere Sterblichkeitsquote bei depressiven Betroffenen verantwortlich sein könnten.

Ungesunde Lebensweise als EINER der Auslöser für Depressionen

Vielfach wissenschaftlich bewiesen ist jedoch, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Ausbruch von Depressionen und der Ernährung besteht. Nicht allein als präventive Maßnahme sollten Sie daher auf Ihre gesunde Ernährungsweise achten! Es ist beispielsweise bekannt, dass der unkontrollierte Genuss von Alkohol und Tabak, aber auch körperliche Inaktivität Hand in Hand mit Depressionen in Erscheinung treten.

Aber auch bei einer bereits bestehenden Erkrankung ist eine gesunde Nahrungsaufnahme imstande, den Depressionsverlauf erfolgreich zu beeinflussen. Sofern nun also die Ernährung in einem direkten Zusammenhang mit der Verfassung der Psyche steht, bedeutet dies im Umkehrschluss auch, dass sich eine bewusste und optimale Ernährung positiv auf diese auswirkt und die Qualität der Nahrungsaufnahme somit einen starken Einfluss auf die Befindlichkeit depressiver Menschen hat, die selbstverständlich parallel zu einer vollwertigen Ernährung therapeutisch begleitet werden müssen.

Fazit

Als Ergebnis ihrer Analyse kamen die Wissenschaftler Miloyan und Fried zu dem Schluss, dass es verfrüht sei, kausale Schlüsse zwischen Depressionen sowie einer erhöhten Sterblichkeit zu ziehen.

Da die Ursachen beim Auftreten von Depressionen meist mannigfaltiger Natur sind, kann eine generelle Aussage über den kausalen Zusammenhang zwischen Mortalität und Depressionen nach dem derzeitigen Stand der Forschung nicht mit Sicherheit getroffen werden. Das belegen neueste Auswertungen von 293 Studien mit 3,6 Millionen Personen sowie 400.000 Todesfällen.

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