Weltgesundheitstag 2017

world-1185076_640Am 7. April 2017 fand in Berlin die Auftaktveranstaltung zum Weltgesundheitstag mit dem diesjährigen Thema Depression statt.

Aktuelle Zahlen der WHO (Weltgesundheitsorganisation) zu Depressionserkrankungen lassen aufhorchen und erschrecken. Noch immer ein Tabu-Thema, möchte die Organisation mit der Kampagne “Lass uns reden” dieses häufig nicht angesprochene Stigma brechen. Eine solche Aktion ist auch dringend nötig, da die Zahl der Betroffenen rasant steigt. So besagt die Studie der WHO, dass im Jahr 2015 circa 322 Millionen an dieser Krankheit leiden, das sind rund 4,4 Prozent der gesamten Weltbevölkerung und ungefähr 18 % mehr als noch vor zehn Jahren.

Welche Ursachen sind für einen solchen Anstieg verantwortlich?

Experten gehen davon aus, dass diese besonders auf das Wachstum der Bevölkerung zurückzuführen seien. Auch die längere Lebenserwartung sei ein Grund, da vor allem ältere Menschen von Depressionen betroffen seien. So stellten die Fachleute fest, dass Depression aktuell weltweit die Hauptursache für Lebensbeeinträchtigungen sind. Der Vergleich, dass 35 Millionen Menschen in der Welt an Krebs leiden, zeigt die ganze Dramatik dieser oft unterschätzten Krankheit. Enormen Handlungsbedarf sieht die WHO, außer bei älteren Menschen, vor allem bei Frauen vor und nach der Geburt sowie bei Jugendlichen. Daher ist es nach Meinung Sachkundiger besonders wichtig, dass Lehrer und psychologische Berater an den Schulen besser ausgebildet werden, um Symptome gefährdeter junger Menschen schneller erkennen zu können. Die Vermittlung von Lebenskompetenz in diesem Zusammenhang ist äußerst bedeutsam, um die Widerstandsfähigkeit Jugendlicher gegen den Druck von außen zu stärken.

Neue Studien erregen Aufmerksamkeit

Die Auftaktveranstaltung des Weltgesundheitstag zeigt: Aktuelle medizinische Erkenntnisse und damit einhergehende revolutionäre Methoden der Behandlung lassen aufhorchen. Denn derzeit wird in Studien weltweit untersucht, ob eine Depression nicht doch mehr auf körperlichen Ursachen beruht, als dies bisher vermutet wurde. Diese Hypothese unterstützen auch Wissenschaftler des Berliner Universitätsklinikums Charité.

Dabei stützt sich der Ausgangspunkt der Forschung auf die ernüchternde Feststellung, dass bei rund einem Drittel aller an Depression erkrankten Patienten die gängigen Antidepressiva keine Wirkung zeigen. Dafür verantwortlich, so glauben die Experten, könnten bei diesen Patienten unterschwellige Entzündungen im Gehirn sein. Diese, so die Meinung der Ärzte, entstehen erst einmal an einer anderen Stelle des Körpers. So könnten beispielsweise Stoffwechselprodukte bestimmter Bakterien im Darm oder etwaige Zahnfleischentzündungen, eventuell durch chronischen Stress begünstigt, eine Freisetzung von Botenstoffen begünstigen, die sich, unbemerkt vom Betroffenen, auf Funktionen im Gehirn auswirken. Im Rahmen dieser werden, so die Fachleute, die Entzündungszellen im Gehirn aktiviert, die das Nervensystem so stören, dass die davon Betroffenen depressiv werden.

Nehmen soche Patienten nun Antidepressiva ein, verfehlen diese die eigentliche Ursache der Erkrankung, nämlich die Entzündungen.

Minocyclin- Die neue Wunderwaffe gegen Depression?

Seit dem Ende des letzten Jahres wird eine Studie durchgeführt, die auf der Prämisse der Entzündungshypothese fußt. Für diese Ermittlung wurden im Vorfeld Probanden gesucht, die aktuell ein Antidepressivum einnahmen, welches jedoch keine Besserung hervor rief. Bereits am Anfang diagnostizierten die Ärzte im Blut der Betroffenen dabei oft einen erhöhten CRP-Wert. CRP ist ein C-reaktives Protein. Dabei handelt es sich interessanterweise um ein Eiweiß, das speziell bei Reaktionen auf Entzündungen ausgeschüttet wird.

Nun soll Minocyclin, ein Antibiotikum, helfen, das bisher Patienten, die an Akne erkrankten, verschrieben wurde. Dieses Medikament ist bekannt für seine antientzündlichen Wirkungen in der Haut. Nun werden Sie sich vielleicht verwundert fragen, ob in der Tat ein Antibiotikum gegen Akne zur Heilung von Depressionen eingesetzt werden könnte. Diese Entdeckung, so sie denn Depressionen wirksam begegnete, wäre ein bahnbrechender Durchbruch, umso mehr, da seit den 1950er Jahren keine Stoffe mit außergewöhnlich neuen Wirkungsmechanismen gegen diese Krankheit gefunden wurden.

Die Effekte von Minocyclin

Die Substanz dringt in das Gehirn ein wo es die entzündeten Mikroglia- Zellen hemmt und den Abbau von Vitamin A verhindert. Dieses Vitamin wirkt antientzündlich. Speziell für Menschen, die chronisch an Depressionen leiden, stellt die Behandlung mit diesem für die meisten Personen gut verträglichen Antibiotikum einen Hoffnungsschimmer dar, denn zurzeit gehen einige Wissenschaftler davon aus, dass eine Vielzahl depressiver Patienten in Wirklichkeit unter einer chronischen Entzündung im Gehirn leiden.

Die Perspektive, durch die richtige Behandlung mit diesem Antibiotikum Depressionen im besten Fall für immer heilen zu können, macht Betroffenen und Ärzten gleichermaßen Mut. Daher ist es kein Wunder, dass die Ergebnisse der Studie, die derzeit noch ausstehen, mit Spannung erwartet werden!

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